RT – Tag 6

Donnerstag 20/11/14

Immer noch beeindruckt vom Sonnenaufgang vom Vortag, waren wir heute erneut um halb sechs in Wartestellung auf dem „miradora“, dem Aussichtspunkt. Dieses mal aber zusammen mit den Mädels. Leider konnte der „amanecer“ bei weitem nicht mit dem letzten mithalten. Zu viele Wolken versperrten die Sicht. Das Frühstück machte die enttäuschten Erwartungen aber wieder wett. Die Pancakes mit Madurastückchen und Marmelade schmeckten hervorragend.
Das gute Frühstück war wichtig, weil wir viel Kraft für den anstehenden Fußmarsch durch Primärregenwald brauchten. Mit dem Boot überquerten wir den Fluss und fuhren zum Ausganspunkt der Wanderung, wo unser heutiger Guide Jaeyson schon wartete (Luis musste zu einer Besprechung nach Misahuallí zurück). Das Wetter wollte uns zuerst abschrecken und begoss uns mit viel Regen. Der 18-jährige Jaeyson hatte aber vorgesorgt. Er zog seinen Talisman aus der Tasche. Einen (wohl von Menschenhand) schöngeformten Stein, den er im Wald gefunden hatte. Immer wenn er diesen mit sich trägt, erklärte er, wird das Wetter gut. So auch heute. Prompt klarte der Himmel auf und wir hatten für den restlichen Tag angenehmes bis heiß-schwüles Wetter. Leider flüchten sich die Vögel bei gutem Wetter über den Fluss zu den nahegelegenen Fruchtplantagen, sodass wir bis auf Spinnen, Frösche und Kolibris kaum andere Tiere zu Gesicht bekamen. Die Natur aber war auch so spannend genug. Grün verschlungen kreuzten sich Farne, Lianen und andere Pflanzen mit den Bäumen und deren Blätterwerk. Zu zahlreichen Blätter, Wurzeln und Sträucher konnte uns, der im Regenwald aufgewachsene Jaeyson, Heilwirkungen und vieles mehr erklären. Teilweise hörten wir die Verwendung von einzelnen Pflanzen, nach den Tagen mit Lenín und Luis, zum dritten mal (gut fürs Merken), aber unser Guide wusste zusätzlich noch vieles mehr. Knappe sechs Stunden schlug uns Jaeyson wortwörtlich mit einer Machete durch das Gehölz, bevor wir an einem Fluss ankamen, von dem aus uns ein Einheimischer in einem „paddelbetriebenen“ Kanu zurückschipperte. Auch die Fahrt auf dem Fluss, der links und rechts mit dichtem Dschungel bewaldet war, war nochmals ein Erlebnis für sich und zum puren genießen der Natur. Viel zu schnell war unsere dreitägige Urwalderfahrung schon wieder vorbei.

– Bilder folgen! –

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